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Veränderungen & Konsequenzen

Veröffentlicht am 30.10.2016

Da stehe ich nun, wieder mal, vor einer Entscheidung die mein Leben verändern wird.

In den letzten Jahren musste ich so viele Entscheidungen treffen die alles verändert haben und werden, dass ich gar nicht hinterher komme mich anzupassen.

Mein Leben in den letzten 6 Jahren ist wie die Entwicklung von Kindern. Am Anfang bist du hautnah dabei. Du freust dich wenn sie das erste Mal bewusst lächeln. Ihre ersten Schritte sind ein Meilenstein in ihrer Entwicklung. Und du bist dabei. Ganz nah. Ganz bewusst. Aber mit der Zeit entwickeln sie sich und du bekommst es eigentlich als letzte mit. Auf einmal interessieren sie sich für das andere Geschlecht. Sie wollen nicht mehr zur Schule gebracht werden. Sie sitzen lieber in ihrem Zimmer und spielen Videospiele als mit dir Gesellschaftsspiele zu spielen.
Und du fragst dich. Wann ist das passiert ?!

Ok, wann das passiert ist weiß ich. Aber das die Entscheidung mein ganzes Leben so verändert wird, hatte ich nicht erwartet. Bis zu dieser Entscheidung führte ich ein relativ unspektakuläres Leben.

Geboren 1978. Kind einer Bergmanns Familie. Mutter Reinigungskraft in einem Kindergarten. Eine jüngere Schwester. Aufgewachsen in einer typischen Bergbausiedlung. Haus an Haus. Alle Männer waren Bergmänner. Jede Familie in der Siedlung hatte 2 – 3 Kinder. Alle in unserem Alter. Alle Kinder besuchten den gleichen Kindergarten oder die gleiche Grundschule. Also eine typische Bergmannsfamilie der 80er Jahre.

Ich war aber nicht das typische Kind. Der Unterschied zu anderen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen war, dass ich schon immer etwas dicker war, kein Selbstbewusstsein hatte und gestörtes Essverhalten an den Tag legte.
Dazu war ich noch mit einer Lese - Rechtschreibschwäche gesegnet, trug nicht immer die neusten Klamotten und hatte einem ausgefallenen Musikgeschmack. Somit war ich das „Mobbingopfer“ schlechthin.

Meine Leben war, bis zur Endscheidung die mein Leben veränderte geprägt von Enttäuschungen, Verlusten, Schmerzen, Ängsten, Verzicht, Selbstbestrafung und Depressionen.
Ich eignete mir ein Essverhalten an, welches mir bis heute mein Leben schwermacht. Ich habe Ängste die mich an manchen Tagen sehr einschränken. Jeden Tag kämpfe ich mit Altlasten beim Versuch ein „normales“ Leben zu führen.

Als ich 2009 den Entschluss fasste mich operieren zu lassen und dadurch abzunehmen, ahnte ich nicht das es nicht nur eine Abnahme wird sondern eine Verwandlung.

Als Kind fiel ich auf, weil ich der bunte Vogel unter alle anderen war. Irgendwann fiel ich auf, weil ich mir auch noch ein lockeres Mundwerk und vorgetäuschtes Selbstbewusstsein zulegte. Lieber angreifen als angegriffen werden war mein Motto.
Die andere Seite war mein Bedürfnis gemocht zu werden. Für meine „Freunde“ tat ich alles. Hauptsache ich wurde gemocht. Von Männern bekam ich mehr als einmal gesagt das ich froh sein soll das sie sich für eine wie mich interessieren. OK, also lernt man „Dankbar“ zu sein und liess sich sehr viel gefallen. Mehr als man eigentlich aushalten wollte und oft konnte. So dümpelte ich wie betäubt durch mein Leben und versuchte so unauffällig wie möglich zu sein. Auch wenn das allein durch mein Erscheinungsbild fast unmöglich war. Entweder ich war die Dickste oder die Jüngste unter allen Anwesenden. Und wenn das nicht gereicht hat viel ich durch mein loses Mundwerk garantiert auf.

Dann kam Tag X. Ich entschloss mich nicht mehr so auszusehen. Eigentlich war meine Vorstellung: Gewicht runter, besser bewegen. Das sich dadurch alles verändert war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Und glaubt mir, es hat sich alles verändert.

Meine Sichtweise und somit auch meine Einstellung veränderten sich. Ganz gravierende Auswirkungen hatte es vor allem auf Freunden, Familie, Erziehung meiner Kinder, mein Leben und vor allem meiner Sichtweise auf mich selbst.

Nachdem ich die OP und die Zeit im Krankenhaus überstanden hatte kam nach und nach der Sinneswandel. Ich sah nicht mehr ein, zu Menschen nett zu sein die es in 6 Monaten Krankenhausaufenthalt nicht geschafft haben mich zu besuchen.

Feedback auf mein Verhalten, „Fresse“ ich nicht mehr in mich hinein, sondern gebe es direkt an denjenigen zurück (bringt mir nicht nur positive Resonanz).
Meine Kinder erziehe ich direkt, bestimmt, aber 100% ehrlich. Kommt bei Außenstehenden nicht so gut an, stört mich aber nicht. Auch noch ein Punkt der sich geändert hat: Es ist mir EGAL was andere über mich denken.

Mein Beruflicher Werdegang ist sehr außergewöhnlich.
1998 Abgeschlossene Ausbildung zur Fleischerreichfachverkäuferin.
Danach ein paar Jahre im Verkauf (LIDL, Penny).
Minijobs (Putze, Ware einräumen, etc.) um über die Runden zu kommen.
Ich bekam eine Stelle als Servicekraft für Tchibo. Diesen Job übte ich bis zum OP Termin aus. Leider ist seit OP keine Arbeit mehr möglich in der ich schwer heben oder mich mit dem Bauch auf eine Theke lehnen muss. Somit waren alle Job die ich bis dato ausgeübt habe nicht mehr möglich für mich.
Nach einiger Überlegung und Neusortierung meiner Interessen entschloss ich mich das Studium zur Ernährungsberatung zu absolvieren. Aber was daraus wurde und wie ich zu meinem jetzigen Job gekommen bin ist ein anderes Thema.

Meine Sicht auf die Männerwelt hat sich auch total gewandelt seit OP. Dadurch das ich mir mehr Wert bin wurden meine Ansprüche an die „Penisträger“ auch nochmal überdacht.
Was sich daraus ergeben hat sieht man an meinem Ehemann. Meine Familie und ein paar Freunde dich mich noch „dick“ kennen, wissen wie meine Männerwahl vorher ausgesehen hat und wie sie jetzt ist. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht dazu sagen.

Um zurück zum Thema zu kommen und zum Ende: Ich bin ein neuer Mensch. Ich habe mich nicht nur mehr als halbiert, sondern meine Werte und Sichtweisen grundlegend geändert.
Diese Prozedur ging nicht ohne Tränen, Verlusten und schmerzlichen Erkenntnissen einher. ABER, es hat sich gelohnt.
Auch wenn ich des Öfteren noch vor dem Spiegel stehe, mich nicht erkenne und mich Frage wie ich mich so verändern konnte ohne es bewusst mitzubekommen, bereue ich trotzdem NICHTS !!!  
Endlich habe ich das Gefühl das ich ich bin. Ich bin angekommen und freue mich auf das was noch vor mir liegt.
Ach, und die Entscheidung die ich am Anfang vom Text erwähnt habe, die wieder mein Leben verändern wird, war: Möchte ich diesen Mann heiraten ??? Möchte ich bis ans Ende meiner Zeit ihn lieben und an seiner Seite sein ???

Wie ihr wisst habe ich JA gesagt. Und bis jetzt habe ich es keine Sekunde bereut.  

Das Fazit welches ich aus allem ziehe ist: Trau dich Entscheidungen zu treffen. Manchmal setzten „kleine“ Entscheidungen eine Lawine in Bewegung die am Ende alles gut/besser werden lässt. Man muss sich nur trauen. In diesem Sinn.

 Einen schönen Tag wünsche ich euch.

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